Blockflöte

Name

Blockflöte
Blockflötenmundstück in der Detailansicht

Die Blockflöte hat ihren Namen vom massiven Holzblock im Mundstück der Flöte. Während der Rest der Flöte innen hohl ist (damit die Luft dort schwingen kann und ein Ton erklingt), enthält das Kopfstück einen massiven Holzblock, der nur einen schmalen Spalt - den Windkanal - freiläßt.
Dieser Block ist traditionell aus Zedernholz, weil der Block die Feuchtigkeit aus der Atemluft aufnehmen muß und Zedernholz Wasser gut aufnehmen kann, ohne dabei aufzuquellen.
Bei Kunststoffmundstücken sammelt sich die Feuchtigkeit eher und verstopft die Kernspalte, so daß die Flöten schnell heiser klingen.

Geschichte

Der sanfte und nur wenig veränderliche Klang der Blockflöte mischt sich sehr gut mit anderen Instrumenten und eignet sich deshalb ideal für das Ensemblespiel. In der Renaissance, in der das gemeinsame, harmonische Spiel im Vordergrund stand, war deshalb die Blockflöte sehr beliebt und verbreitet. Im Barock, als das solistische, ausdrucksstarke Spiel in den Vordergrund rückte, verlor die Blockflöte ihre Vormachtsstellung an die Querflöte mit ihrem individuellen und modulisierbaren Klang.

Die Blockflöte als Anfängerinstrument?

Während die Blockflöte dann für Jahrhunderte in Vergessenheit geriet, wurde sie von der Musikpädagogik wieder ausgegraben, die in der Blockflöte das ideale Anfängerinstrument sah. In der Tat sind spielbare Anfängerinstrumente sehr preiswert (ab 5€!) und es lassen sich schnell erste Liedchen spielen.

Paul Hindemith bemerkte aber hierzu, dass "nach den ersten leicht erworbenen Schritten, die meist zur Ausführung einfacher Stücke genügen, ein unvorhergesehener, unverhältnismäßig steiler Anstieg den Weg des Fortschritts erschwert. Und diese Hürde wurde von vielen Liebhabern der Blockflöte nicht überwunden, so dass die Blockflöte in den schlechten Ruf geriet, ein unvollkommenes Instrument zu sein, das bestenfalls als Vorstufe für ein "richtiges" Instrument dienen könne." Tatsächlich ändert sich die Tonhöhe durch den Blasdruck und es gibt nur wenig Möglichkeiten, die Tonhöhe auszugleichen. Es bedarf also besonderer Übung, mit mehreren Blockflöten sauber zusammen zu spielen. Der obertonreiche Klang der Blockflöte verstärkt die kleinen Stimmungsunterschiede deutlich hörbar.

Wir haben also ein Instrument, das einerseits ungeliebt ist, weil es von vielen zwangsweise statt des gewünschten Instruments als Einstiegsinstrument gespielt werden mußte (wie viele hoffnungsvolle Musikerkarrieren so wohl im Keim erstickt wurden...). Zum anderen quietschen überwiegend ungeübte und unsensible Kinder auf dem Instrument herum, so das der Eindruck entsteht, eine Blockflöte müsse so schrecklich klingen. Drittens sind die hohen Töne der Sopranblockflöte nicht jedermanns Geschmack, aber bis zu den angenehmen Klängen einer Altblockflöte dringen dann viele nicht mehr vor.

Material

Blockflöten sind oft aus leichteren Hölzern gebaut wie Birne, Ahorn oder Pflaume, aber auch harte Hölzer wie Buchsbaum oder Grenadill werden gern verwendet.

Im unteren Preissegment sind Kunststoffflöten die bessere Wahl, da preiswerte Holzflöten meist miserabel verarbeitet sind. Kunststoffflöten haben zwar nicht den weichen, zarten Klang von Holzflöten, aber der helle, klare Klang von Kunststoffflöten hat durchaus auch seinen Reiz. Jüngere Kinder, von denen der rücksichtsvolle Umgang mit einem Holzinstrument noch nicht verlangt werden kann, sind mit einem robusten Kunststoffinstrument sowieso besser beraten.

Aufbau

Blockflöte
Doppellöcher

Die Blockflöte hat 7 Grifflöcher vorne und hinten ein Überblasloch für den Daumen. Die unteren beiden Grifflöcher sind meist als Doppelloch gebohrt, d.h. es sind eigentlich zwei kleine Löcher direkt nebeneinander, die mit einem Finger gleichzeitig abgedeckt werden können. Bei einigen Halbtönen ist es aber wichtig, diese Grifflöcher nur halb abzudecken und dies wird durch die Ausführung als Doppellöcher erleichtert.

Blockflöte
Man erkennt die Griffweise an der
Größe des 4./5. Griffloches
links: deutsch, rechts: barock

Barocke und deutsche Griffweise

Als die Musikpädagogik die Blockflöte als Anfängerinstrument entdeckte, störte im pädagogischen Konzept, das für das f ein Gabelgriff benötigt wird: . Man veränderte also die Größe und Position der Tonlöcher so, daß das f nun ohne Gabelgriff spielbar ist, also so:. Da nun das fis schwieriger zu greifen ist, bietet sich hier langfristig kein wirklicher Vorteil. Da die deutsche Griffweise weniger verbreitet ist, werden deutlich weniger Instrumente in deutscher Bauweise hergestellt. Es ist also ratsam, von Anfang an mit barocken Flöten zu beginnen.

Achtung: Doppellöcher haben nichts mit barocker Griffweise zu tun, es gibt sowohl deutsche Flöten mit Doppelloch als auch barocke Flöten mit einfachen Grifflöchern.

Harmonische Blockflöten

Die Blockflöte gilt heute nicht als professionelles Instrument aufgrund der mangelhaften Stimmung, des geringen Tonumfangs und der geringen Lautstärke. So wird die Blockflöte nur für Hausmusik oder für Aufführungen mit historischen Instrumenten gebraucht.

Die Harmonischen Blockflöten - eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts - sollen diese Probleme beseitigen. Durch eine längere Mensur überblasen diese Flöten - im Gegensatz zu "normalen" Blockflöten - in reine Obertöne. Die längere Mensur führt auch zu mehr Luftvolumen, das in Schwingung gebracht wird und verstärkt mit zusätzlichen Verbesserungen an Windkanal und Block den Klang und die Dynamik.
Die harmonischen Blockflöten haben einen Tonumfang von drei Oktaven.

Manche moderne Flöten haben eine "Piano-Klappe": Eine kleine Öffnung im Kopfbereich (bedienbar durch eine Klappe) erhöht den gesamten Ton der Flöte leicht - damit kann das Absinken des Tones im Piano ausgeglichen werden und in reiner Stimmung leise gespielt werden!

Auch läßt sich bei machen modernen Flöten der Block im Kopf über Schrauben einstellen, damit die Weite des Windkanals angepasst werden kann. Es gibt sogar beweglich konstruierte Blöcke, bei denen der Windkanal durch Druck der Lippen während des Spiels verengt werden kann. So können Lautstärke und Klangfarbe individuell angepasst werden.

Blockflöte
Alt- und Sopranblockflöte

Familie

Durch den eher geringen Tonumfang einer Blockflöte (2 Oktaven) hat sich eine große Blockflötenfamilie entwickelt.
Die bekannteste ist sicher die Sopranblockflöte in C. Wer es noch höher mag, kann auf die Sopranino (eine Quarte höher klingend) oder Garklein-Blockflöte (eine ganze Oktave höher als die Sopranblockflöte) zurückgreifen.

Einen sehr schönen Klang bei guter Spielbarkeit bietet die tiefere Altblockflöte in F oder G, unter Blockflötenfans das beliebteste Mitglied der Familie.

Für Tenor- und Bassflöten werden Klappen für die bessere Erreichbarkeit der Grifflöcher verwendet. Für Bassflöten gibt es zudem abgeknickte Mundstücke oder s-förmige Anblasrohre.



Surftip
Alle möglichen Griffe für alle Blockflötentypen findet ihr bei Blockflötengriffe
Ganz viele tolle Fotos und Informationen und über Blockflöten findet ihr im Blockflötenmuseum.

Seite erstellt: 14.12.2012