Spielmannszüge

Berliner Spielleute
Berliner Spielleute

Flöte und Trommel

Schon im frühen Mittelalter fuhren Spielleute in der klassichen Kombination Trommel / Flöte umher. Oft wurden die beiden Instrumente auch gleichzeitig von einer Person gespielt, also mit der einen Hand die Trommel, mit der anderen eine Einhand-Flöte. Die Spielleute waren nicht sonderlich angesehen und waren auch rechtlich meistens am Rande der Gesellschaft angesiedelt.

Auch heute noch sind Trommeln und einfache Flöten die Hauptinstrumente jedes Spielmannszuges. Das richtige Mengenverhältnis der beiden Hauptinstrumente ist sehr wichtig, ein hörbarer Richtwert ist 1 Trommel auf 4 Flöten...

Schlagwerk

Im frühen 19. Jh. wurde von der sehr rhythmusbetonten türkischen Janitscharenmusik die große Trommel und das Becken übernommen.

Lyra

Ein paar Jahrzehnte später kam noch die Lyra dazu, ein tragbares Metallophon mit einem lyraförmigen Rahmen. Die Lyra stellt eine schöne klangliche Ergänzung zu den Flöten dar. Jedoch ist ihr Klang sehr durchdringend, weshalb die richtige Kombination zu den Flöten unbedingt beachtet werden sollte (für 15-20 Flöten reicht eine Lyra aus).

In vielen Spielmannszügen sind die Lyren ein optisches Aushängeschild, sie führen den Spielmannszug an und sind geschmückt mit langen, farbigen Schweifen. Außerdem tragen die Lyraspieler(innen) oft Röcke (womit das Lyraspielen dann den Damen vorbehalten bleibt), während die restlichen Spielleute die Hosen anhaben.

Zusatzinstrumente

Die oben genannten fünf Instrumente bilden den klassischen Spielmannszug, der immer öfter durch Zusatzinstrumente erweitert wird.
Weit verbreitet sind Alt- und Tenorquerpfeifen, die genauso aufgebaut sind wie die Sopranquerpfeifen und das Klangspektrum in der tiefen Lage erweitern.

Manche Spielmannszüge ersetzen oder ergänzen die Spielmannsflöten durch moderne Querflöten in allen Größen (auch Alt- und Baßflöten!); die Marimba oder ein tragbares Glockenspiel ersetzen die Lyra.

Außerdem werden gern verschiedene Rhythmusinstrumente verwendet: Bongos, Klanghölzer, Schellenring, Kuhglocke usw.

Werden als Melodieinstrumente neben Flöten und Stabspielen weitere Melodieinstrumente verwendet (z.B. Blechblasinstrumente) spricht man i.d.R. nicht mehr von einem Spielmannszug, sondern von einem "Musikzug", o.ä.

Signalhorn

Ausnahme bilden hier die Signalhörner der Spielmannszüge aus der ehemaligen DDR (den sogenannten "Sportspielmannszügen"), welche aus Tradition neben den Flöten noch das Signalhornspiel pflegen. Die Signalhörner werden von den Flötern als Zweitinstrument gespielt, was große Probleme mit sich bringt, wenn ein Laienmusiker zwei vom Ansatz her so unterschiedliche Blasinstrumente gleichzeitig gut spielen soll (was meist zu einer Vernachlässigung des Hornspiels führt).
Daraus ergibt sich das Kuriosum: Flöte + Signalhorn = Spielmannszug, Flöte + Fanfare = gemischter Musikzug!

Seite erstellt: 11.04.2009

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