<h1>Die Querflöte</h1> Ringklappenflöte aus Neusilber

Name

Spricht man von der Querflöte, ist i.d.R. dieses Instrument gemeint, obwohl es auch andere Flöten gibt, die quer gespielt werden. Sie wird auch Konzertflöte genannt, weil nur diese Flöte den Ansprüchen der klassichen Musik an Intonation und Dynamik genügt. Spielleute sprechen gern von der Klappenflöte, um sie von den klappenlosen Trommelflöten zu unterscheiden. Auch der Name Böhmflöte - nach ihrem "Erfinder" Theobald Böhm - ist geläufig. Um sie von der Piccoloflöte zu unterscheiden, nennt man sie auch Große Flöte.

Tonumfang und Stimmung

Die Querflöte ist ein nicht transponierendes Instrument in C.
Die Stimmung der Querflöte läßt sich durch Ausziehen des Kopfstückes leicht anpassen.

Der Tonumfang der Querflöte reicht vom c1 (h1 mit H-Fuß) bis zum c4. Es gibt sogar Griffe bis zum f4, diese hohen Töne sind aber sehr schwer zu spielen.

Material

Heutige Querflöten sind meist aus Silber. Silberflöten haben einen hellen und brillanten Klang. Profis spielen auch schon mal auf Gold- oder Platinflöten. Durch die höhere Dichte des Materials klingen die Flöten dunkler und wärmer als Silberflöten.

Für Anfänger haben sich Flöten aus Neusilber durchgesetzt. Neusilber hat nichts mit Silber zu tun, sondern ist eine preiswerte Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel.

Holzflöten werden nur noch zu besonderen Anlässen (z.B. Renaissance-Musik) gespielt.

Aufbau

gebogenes Kopfstück
gebogenes Kopfstück einer Kinderflöte

Die Querflöte ist zylindrisch und besteht aus drei Teilen: Kopfstück, Mittelstück und Fuß.

Das Kopfstück kann bei Alt- und Baßflöten sowie bei Flöten für Kinder gebogen sein, damit man beim Spielen die Arme nicht so weit ausstrecken muß.

H-Fuß

Die Querflöte hat standardmäßig einen C-Fuß, als tiefster Ton ergibt sich so das c1. Flöten mit einem etwas längeren H-Fuß könen noch einen Halbton tiefer spielen. Ein H-Fuß verändert außerdem den Gesamtklang der Flöte, die dritte Oktave klingt etwas weniger schrill.
Auch mit H-Fuß ist die Querflöte noch ein nicht transponierendes C-Instrument, sie klingt deswegen nicht tiefer!

Hans-Peter Schmitz schreibt in seiner "Flötenlehre" von 1959:
"Ein H-Fuß an Stelle des üblichen C-Fußes ist nicht zu empfehlen, da er das Instrument in verschiedener Hinsicht belastet. Heute wird das kleine h praktisch nicht mehr verlangt, und im Orchester kann man im Notfall [...] den rechts sitzenden Kollegen bitten, die nötige Verlängerung des Rohres mit der Hand zu formen."
Ich würde mir auf jeden Fall eine Flöte mit C-Fuß kaufen, nur um einmal in einer Musikprobe das verdutzte Gesicht meines Nachbarn zu sehen, wenn ich ihn um die Formung des kleinen h bitte... ;-)

Blick auf eine Klappe von unten
Eine Klappe von unten

Klappen

Die moderne Querflöte hat keine einfachen Grifflöcher mehr, sondern alle Tonlöcher werden über Klappen geschlossen. Durch Kopplung der Klappen über ein ausgeklügeltes Achsensystem können mit nur 9 Fingern 13 Tonlöcher geöffnet und geschlossen werden.
Die Klappen ruhen dabei auf kleinen Erhöhungen, den "Kaminen", welche auf die Flöte aufgelötet sind oder direkt aus dem Material der Flöte "gezogen" werden. An der Unterseite der Klappen befinden sich Polster, die das Tonloch ohne großen Druck luftdicht verschließen.

Klappen in Nahaufnahme
Links eine Ringklappe,
rechts eine geschlossene Klappe

Ringklappen

Eine Ringklappe ist eine Klappe, die das darunterliegende Griffloch nicht vollständig abdeckt, sondern nur aus einem Ring besteht. Das Loch in der Mitte der Klappe wird dann durch den Finger verschlossen. Was sich erstmal nach Mehrarbeit für den Flötisten anhört, bietet einen kleinen Vorteil: durch nur teilweises Verschließen des Ringloches können Zwischentöne (sogenannte Vierteltöne), Glissandi u.ä. Spielereien erzeugt werden.
Das Gegenteil von Ringklappen sind geschlossene Klappen.

Arme

Als Arme werden die Verbindungen zwischen einer Klappe und den Achsen bezeichnet. Es gibt Spitzarme, deren Verbindung bis in die Mitte des Deckels reichen und Y-Arme, die ihre Verbindung nur außen an der Klappe haben. Die Spitzarme sind stabiler und halten deshalb länger.

Offset-G und Inline-G

Beim Inline-G sind die beiden Klappen für den Ton g auf gleicher Höhe mit allen anderen Klappen, bei Offset-G-Flöten sind diese beiden Klappen etwas ausgestellt. Das g ist dann leichter zu greifen. Üblich sind die Offset-Flöten, da die Inline-Variante nur optische Vorteile bietet.

E-Mechanik

Der Name hat nichts mit Elektrik zu tun, sondern mit dem Ton e3, welcher sich durch die Umwandlung der einstmals offenen Gis-Klappe in eine geschlossene als schwerer spielbar herausstellte. Die E-Mechanik ist ein zusätzlicher Hebel, der bei besagtem Ton die untere G-Klappe schließt und damit die Ansprache des Tones erleichtert.

Familie

Die Querflöte hat eine eher kleine Instrumentenfamilie. Wirklich gebräuchlich ist nämlich nur die "kleine Schwester", die Piccoloflöte (ital. piccolo = sehr klein). Sie klingt eine ganze Oktave höher (wird aber genauso notiert wie die Querflöte), und klingt in den oberen Tönen schon sehr schrill. Der Klappenmechanismus der Querflöte wurde alsbald auch auf die Piccoloflöte übertragen. Jedoch fehlt der Piccoloflöte das Fußstück, c und cis können deswegen nicht gespielt werden, der tiefste Ton ist somit das d2.

Im Gegensatz zur großen Schwester ist die Piccoloflöte häufiger aus Holz als aus Metall gefertigt.
Um für Querflötenspieler den Wechsel zur Großen Flöte zu erleichtern, haben manche Holzflöten einen Metallkopf, so daß das sich die Mundstücke von Großer Flöte und Piccoloflöte ähnlicher sind.
Für Anfänger gibt es preiswerte Piccoloflöten aus Kunststoff.

Neben der höheren Variante gibt es ein paar tiefergelegte Flöten.
Die Altflöte ist nur eine Quarte tiefer in G. Da hier dieselben Griffe verwendet werden, ist es ein transponierendes Instrument.
Auch eine Altflöte in F ist schon gesehen worden.
Die Baßflöte ist wieder in C und eine Oktave tiefer klingend als die Querflöte.

Für spezielle Einsätze gibt es auch noch Großbaß-, Kontrabaß- und Subkontrabaßflöten. Die Subkontrabaßflöte ist über 5m lang, der tiefste Ton ist C1 (drei Oktaven unter der Querflöte!). Keine davon wird jedoch häufig gespielt.

Auch gibt es Sonderformen wie die Flute d'Amour in Bb, die nur einen Ton tiefer klingt als die Querflöte, aber durch einen größeren Durchmesser das Spiel in der tiefen Lage begünstigt.
Oder die Terzflöte in Es, die vom Tonumfang zwischen Piccoloflöte und Großer Flöte angesiedelt ist (genaugenommen eine Terz höher als die Große Flöte, daher der Name).

Für die Blasmusik gibt es vereinzelt noch Piccolos in Des und Es.

Für Kinder gibt es spezielle Kinderflöten, die etwas kleiner sind, einen gebogenes Kopfstück haben und bei der die Grifflöcher mit Fingerbuttons versehen sind, damit die Finger geringere Greifabstände haben.

Kinderflöte
Kinderflöte im Vergleich zur normalen Querflöte

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Seite erstellt: 12.05.2010, letzte Änderung: 10.09.2010