Waldhorn

Spricht man kurz vom "Horn", meint man meist das Waldhorn. Dieses ist ein Zwitter zwischen den zylindrischen Trompeten und den konischen Bügelhörnern. Einerseits hat es eine sehr enge Mensur und ist fast zylindrisch, was zu einem obertonreichen Klang führt und das Überblasen sehr erleichert.
Andererseits weist das Waldhorn eine extrem weite Stürze auf, was den Klang wieder weicher und voller macht.
Die runde Form der Biegungen und das schmale Trichtermundstück machen den Klang ebenfalls weicher.
Der warme, "schmelzige" Klang paßt auch gut zu den Holzbläsern, mit denen es gern zusammen eingesetzt wird.

Das Waldhorn ist das klanglich vielseitigste Blechblasinstrument und hat den größten Tonumfang aller Blechblasinstrumente.

Es gilt aber durch den großen Tonumfang auch als das am schwierigsten zu spielende Blechblasinstrument: Ein geübter Spieler kann bis zu 16 Naturtöne spielen!
Die hohen Töne liegen sehr eng beieinander und sind nur mit viel Übung und gutem Gehör sauber zu treffen (deshalb sagt man auch gehässig "Glücksspirale" zum Horn).
Auch das Trichtermundstück fördert zwar das Spielen hoher Töne, erschwert aber die Treffsicherheit (daher kommt das sprichwörtliche "Kieksen" beim Horn).
Im klassischen Orchester teilen sich die Spieler deswegen in "Hohes Horn" und "Tiefes Horn" auf, so daß sich jeder in einer Tonlage spezialisieren kann.

Geschichte

Vor der Erfindung der Ventile Mitte des 19. Jahrhunderts gab es verschiedene Versuche, die Naturtonvorrat um weitere Töne zu erweitern. Charakteristisch für das Horn waren die Inventionsbögen: Unterschiedlich lange Rohrstücke, die zwischen Mundstück und Rest des Instruments eingeschoben wurden. Dadurch veränderte sich die Rohrlänge und damit die Grundstimmung des Instruments und es war zumindest möglich, die Naturtonreihen verschiedener Tonarten zu spielen.
Natürlich konnten die Inventionsbögen nicht während des Spiels gewechselt werden.

Desweiteren verführte die überaus große Schallstürze zur Stopftechnik. Dabei wurde die rechte Hand in den Schalltrichter "gestopft", so daß der Ton einen Halb- oder sogar Ganzton höher wurde. Leider verändert sich auch der Klang unangenehm ins Dumpfe, Matte.
Heute kann man die Tonhöhe durch die Ventile verändern, die Stopftechnik wird jetzt bewußt zur Klangveränderung genutzt.

Tonumfang und Stimmung

Das Standard-Waldhorn ist "in F", was hier sowohl Transponierung als auch Grundton beschreibt. Auch das höher klingende Waldhorn in B wird verwendet, meistens als Doppelhorn F/B.

Das Rohr des F-Waldhorns ist genauso lang wie eine Baßtuba (3,70m!), aber das Horn hat eine wesentlich engere Mensur, weshalb der Grundton F im Gegensatz zur Tuba nicht spielbar ist, tiefster Ton ist H1.

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Seite erstellt: 2009, letzte Änderung: 25.06.2011