Die Tin Whistle

Die Tin Whistle ist die irische Variante der Blockflöte (engl. tin whistle = Blechflöte). Sie besteht aus einer zylindrischen Metallröhre und hat ein Plastikmundstück. Die Tonerzeugung funktioniert genauso wie bei der Blockflöte, d.h. das Plastikmundstück läßt nur einen schmalen Spalt frei, der auf die Schneidekante führt, wo die Luft gebrochen und verwirbelt wird. Durch die Form und das Material der Mundstücke (aus Plastik oder Metall) erhält die Tin Whistle ihren typisch heiseren, rauchigen Klang.

Die Tin Whistle hat nur 6 Grifflöcher und hat einen Tonumfang von 2 Oktaven.
Die Tin Whistle ist ein diatonisches Instrument und üblicherweise in D-Dur, d.h. die normalen Griffe ergeben die Töne einer D-Dur-Tonleiter. Es gibt aber auch ein paar Gabelgriffe (ein Griff, bei dem in der Mitte Löcher freigelassen werden) und die Möglichkeit, die Grifflöcher nur halb abzudecken, so daß auch alle anderen Töne erzeugt werden können. Diese klingen aber (je nach Flöte und Fertigkeit des Spielers) ein wenig unsauber.

Der entscheidende Unterschied zwischen der Blockflöte und der Tin Whistle liegt jedoch nicht im Instrument, sondern in der Spielweise. Während bei der Blockflöte jeder Ton akkurat mit einem "tüt" vom nächsten getrennt wird, werden in der irischen Musik die Töne fließend ineinander gebunden. Gleiche Töne werden durch kurze Vorhalte (ein höherer oder tieferer Ton wird ganz kurz vor dem eigentlichen Ton gespielt) voneinander getrennt. Außerdem werden sehr viele Ornamente und Verzierungen in das Melodiespiel eingeflochten.
Wie das klingt, könnt ihr euch z.B. bei Mick's Virtual Whistle anhören.

Wie bei fast allen Instrumenten gibt es natürlich auch bei der Tin Whistle besondere Ausführungen, z.B. in anderen Stimmungen (beispielsweise in C-Dur), in größerer Bauweise (und damit tiefer klingend) - auch Low Whistle genannt - und natürlich auch höher klingende Varianten. Außerdem wird natürlich mit den Materialien experimentiert: es gibt Tin Whistle komplett aus Plastik, aus Blech mit Holzmundstück, ganz aus Holz oder auch - ganz exquisit - aus Silber oder Gold.

Die Grundgriffe sind denkbar einfach:
Grundgriffe für die Tin Whistle

Die zweite Oktave wird bis auf das "d" identisch gegriffen, jedoch werden die Töne stärker angeblasen, damit "überbläst" das Instrument und der Ton erklingt eine Oktave höher:
Grundgriffe für die Tin Whistle

Foto der Tin Whistle

Seite erstellt: 30.06.2007, letzte Änderung: 18.09.2007

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